Die Welle weiß…
Badend in der Brandung, am Praia do Pópulo,
kraftvolle Wellen, lebendig und voller Energie.
Für einen Moment galt mein Fokus einer Suche…
…die nächste Welle kam ungesehen.
Sie erfasste mich, nahm mich mit, drehte und wirbelte mich,
bis oben und unten für einen Moment ihre Bedeutung verloren.
Ich konnte nur geschehen lassen. Und vielleicht lag genau darin die Botschaft.
Wellen sind mein persönliches Symbol. Sie begleiten mich schon lange.
Wellen plätschern mal sanft, mal kommen sie mit Kraft.
Sie bewegen, sie lösen, nehmen mit, was gehen darf.
Diesmal überraschend und machtvoll, wirbelte mich die Welle herum,
löste meine gewohnte Ordnung und ließ Vertrautes ins Wanken geraten.
Und noch immer erinnert mich ein kurzer Schwindel daran, wie es sich anfühlt, kurz aus dem Lot zu geraten: Wo ist meine Mitte?
Dann werde ich still. Atme tief ein, von unten nach oben.
Mein Atem dehnt und weitet, richtet mich neu auf – Wirbel für Wirbel.
Beim Ausatmen lasse ich los, mein Atem läuft sanft aus – wie eine seichte Welle, die am Ufer leise und ruhig verebbt.
Meine Schmerzen erzählen noch von dem, was in Bewegung geraten ist, was berührt, bewegt und aus seiner alten Ordnung gelöst wurde –
Schon jetzt spüre ich Veränderung: mehr Weite, mehr Raum, mehr Aufrichtung, Erleichterung, Freiheit.
Wohin trägt mich die Welle? Was darf sich neu verbinden, in mir, mit mir und mit dem, was mich umgibt? Alles wird möglich…
Die Welle weiß. Und ich vertraue.
„Heike Gerull, August 2026“



